Maja Sterns Flirt-Blog

Mein ganz privater Flirt Blog

Ich muss jetzt einfach meine Frustration ausdrücken. Wenn Frau will, kriegt sie einfach keinen Mann! Wie oft habe ich in den letzten Tagen, ja Wochen geflirtet – und das auf eine Art und Weise, die meine Absichten wirklich deutlich macht? Es ist absolut niederschmetternd. Männer sind angeblich die Jäger und Sammler! Wieso jagen und sammeln sie dann nicht? Da stellt man sich schon auf den Präsentierteller und kriegt überhaupt nichts ab. Dabei war ich nicht einmal geschmacklos oder nicht Appetit anregend. Ich behaupte nämlich von mir selbst, durchaus attraktiv zu sein. Sie wollen einfach nicht.

Die Frage ist: wieso wollen sie nicht? Was mache ich falsch? Oder eher: was tue ich nicht? Wo ist das verdammte Problem? Am liebsten würde ich ja auf das andere Ufer wechseln. Frauen sind bestimmt angenehmer in diesem Zusammenhang. Die verstehen wenigstens, dass ich etwas will. Nicht nur möchte, sondern will.

Anscheinend funktioniert es nicht, offen und ehrlich zu sein. Man kann sich nichts herbeiwünschen und erstrecht nichts dafür tun. Es muss einem einfach zufliegen. So viel zu meinem Erfahrungswert. Sämtliches Lächeln, ansprechen, Nummer zustecken hat absolut gar nichts bewirkt. Man siehe sich mal den schrecklichen Anruf von der einen Freundin an, der mich erreicht hat! So soll mein Leben nicht aussehen. Vielleicht doch lieber Single als unglücklich und frustriert auf der Jagd? Was ist nur mit meinem Spaß passiert… wo ist er hin? Werde ich ihn wiederfinden? Ich hoffe doch… vielleicht habe ich in zwei Tagen ja etwas Angenehmeres zu berichten… haltet die Ohren steif!

Der legendäre Anruf ist erfolgt. Allerdings nicht so, wie ich ihn geplant hatte. Eine fremde Nummer. Ok, das muss er wohl sein!
„Hallo?“ – „Ja! Wer ist da?“ (wohlgemerkt, das sagte die – FRAU – zu mir) – „Hier ist Maja Stern. Und … wer sind SIE?“ – „Ich kenne keine Maja Stern.“ – „Das ist ja sehr interessant… und warum rufen Sie mich dann an?“ (Welche Unverschämtheit kann man eigentlich besitzen? Welch Arroganz?) – „Also da ich Sie nicht kenne, weiß ich nicht, was mein Freund mit Ihnen zu tun haben sollte.“ – Pause… Denkpause… Moment. Was ist hier schief gelaufen? Welcher Freund? Und wer zum TEUFEL hat mich da gerade an der Strippe? – „Hören Sie, ich will Ihnen nicht zu nahe treten, aber von welchem Freund genau reden Sie?“ – „Von meinem! Ich habe Ihre Nummer in seiner Jackentasche gefunden, und was für eine Frechheit besitzen Sie eigentlich, dass Sie es wagen, Ihre Nummer wie eine Prostituierte an treue Lebensgefährten zu geben? Haben Sie wirklich geglaubt, dass er sich bei Ihnen meldet? Haben Sie etwa gedacht, dass ICH so etwas zulassen würde? Sie sind wirklich eine der schlimmsten Personen, die mir untergekommen sind! Es ist wirklich fabelhaft, dass ich nicht weiß, wer genau Sie sind, sonst würde ich mit Ihnen ein Hühnchen raufen… und was für eines… glauben Sie ja nicht, dass Sie etwas mit meinem Freund zu tun haben dürfen! Wehe, wenn ich Ihre Nummer eingespeichert in seinem Handy erwische! Ich schwöre zu Gott, Sie billiges Flittchen, dass ich Sie zu Brei verarbeiten werde!“
Wie gesagt. Frauen sind ein sehr sympathisches Volk.

Ich bin noch einen Schritt weiter gegangen! Oh, trotz ausbleibender Erfolgserlebnisse bin ich unermüdlich geworden. Man muss doch in diesem Leben allein durch ein Lächeln viel erreichen können. Es kann einfach nicht anders sein. Nein, ein Lächeln kann Berge versetzen! Ich glaube daran! Ich glaube daran!!!
Ok, aber ihr versteht ja kein Wort von dem, was ich euch auftische. Hier also die ganze Geschichte: nach meinem wundervollen Straßenbahn-Flirt habe ich entschlossen, so weiterzumachen. Ich werde bestimmt nicht auf Mr. Right warten – und mich erstrecht nicht darauf verlassen, dass er mich findet. Männer sind überhaupt keine „Jäger und Sammler“, auch, wenn die Forschung das gerne behauptet. Am Ende sind wir alle nur eines – Menschen. Und viele sind schüchterner als andere. Aggressiv sein will kaum einer: man riskiert schließlich seinen Kopf dabei (oder eine kurzweilige schlechte Reputation bei mindestens einer anderen Person). Jedenfalls war da dieser gutaussehende, junge Mann beim Bäcker. Da er nur einen Croissant bestellt hat, bin ich davon ausgegangen, dass er auch einer der Suchenden sein muss. Na ja. Vielleicht sucht er nicht, vielleicht will er gefunden werden. Von mir zum Beispiel. Da habe ich einfach einen Zettel und einen Stift aus meiner Handtasche gekramt, habe meine Nummer draufgeschrieben und bin stumpf lächelnd auf ihn zugegangen. „Ich wünsche dir noch ein schönes Frühstück.“ … er hat zurückgelächelt! Wie wundervoll!
Ziemlich stolz bin ich dann nach Hause gehüpft (na ja, fast gehüpft. So hüpfend, dass ich mich nicht vor der ganzen Stadt blamiere…) und habe dann den Rest des Tages tatsächlich damit verbracht, auf mein Handy zu starren. (Übrigens sinnlos!) Es ist bis jetzt nichts gekommen. Was nicht ist, kann ja noch werden?

Ich bin unglaublich stolz auf mich selbst. Ich habe heute wirklich Fabelhaftes geleistet. Nun ja, ich bin Straßenbahn gefahren. Aber auf was für eine Art und Weise! Und was ich während dessen angestellt habe! … Ich fuhr also Straßenbahn, und irgendwie fühlte ich mich unglaublich gut und voller Energie – als würde ich die ganze Welt mit meinem Charme begeistern können. (Ich gebe zu, ich habe einen von diesen billigen Ratgebern gelesen. Aber was soll’s! Der gewünschte Effekt war da!) Am Ende ist es nämlich so: entweder man kann sich verkaufen oder eben nicht. In diesem Falle habe ich beschlossen, dass es eigentlich egal ist, was ich anhabe, wie ich geschminkt bin, welche Haarfarbe ich habe… das ist alles unglaublicher Schwachsinn. Es geht nämlich darum, wie man sich gibt! Was Und so fuhr ich lächelnd vor mich hin, nur so darauf wartend, ein passendes Opfer zu finden. Da stieg es auch schon ein! (Völlig unerwartet, denn der Murphy-Effekt hätte eintreten müssen) Er sah recht gut aus. Groß, gut trainiert, wunderschöne und vor allem riesige Augen. Vor mich hinschmunzelnd hab’ ich dann angefangen, mir einzureden: „Los, mach’ schon! Lächle ihn wenigstens einmal an!“ Ich habe und habe mich überhaupt nicht getraut… also schmunzelte ich weiter vor mich hin… aber diese Energie! Diese volle Ladung „du bist klasse!“… sie hat mich dann überrollt, also habe ich meinen Blick gehoben. Und oh mein Gott! Er sah mich auch an! Sein Lächeln wurde noch breiter, als es ohnehin schon war, und meines auch. Es war ein unglaubliches Gefühl. Wirklich niederschmetternd schön.
Leider stieg er dann auch schon aus… aber er drehte sich noch einmal lächelnd um.

Ich hatte DEN Plan schlechthin. Der sexy Postbote ist sowieso schon immer eines meiner begehrteren Objekte gewesen. Es ist immer derselbe, braunhaarige, durchtrainierte, nette Mann, der mir zuzwinkert, wenn ich fertig mit Unterschreiben bin. Nachdem ich also meine beste Freundin Lara dazu bewegt hatte, mir ein Päckchen zu schicken (es würde sich wohl definitiv echter anfühlen, wenn ich es nicht selbst verschickt hatte) – denn nur so kommt der gute auch wirklich ganz bis vor meine Wohnung und nicht nur bis zu meinem schäbigen Briefkasten -, überredete ich sie dazu, Folgendes auf das Päckchen zu schreiben: „Lieber Postbote; Maja möchte dich heute sehr gerne zum Kaffee einladen. Komm’ doch einfach mal mit rein!“ Es ist der perfekte Plan gewesen. Wirklich! Erstens würde ich nicht noch großartig darauf eingehen müssen, denn wenn er an dem Angebot interessiert war, würde er sicherlich etwas dazu sagen. Naja, und wenn nicht, dann würde er einfach wieder gehen.

Der perfekte Plan. Wundervoll.

Ich bin früh aufgestanden. Ich habe mich lange hübsch gemacht, schließlich ist das bestimmt eines der überzeugenderen Argumente – gepflegtes Aussehen. Ich habe den Kaffee aufgesetzt (ok, der erweckt wohl Tote, aber auch damit kann man bleibenden Eindruck hinterlassen!).  Ich habe meine Haare offen gelassen. Und ein Knopfloch mehr als sonst.

Das konnte einfach nicht schief gehen. Es war perfekt. Einfach smart.

*brrrring* Ich öffnete schwungvoll die Tür.

Uuuuups. Wer zum…? Dieser Mann war mindestens fünfzig Jahre alt. Er sah nicht mal gut aus. Und jetzt las er, was auf dem Päckchen stand. Scheiße.

„Ich würde sehr, sehr gerne reinkommen.“

Ok, bevor ich mich literarisch darüber ergieße, welche Flirtpläne ich zur Zeit schmiede, sollte ich vielleicht noch mal klarstellen, was ich eigentlich für ein hoffnungsloser Fall bin. Im Endeffekt ist es nämlich so, dass ich entweder niemals angesprochen werde – oder es nicht einmal merke. Ein bisschen verschreckt bin ich noch dazu auch. Ich erinnere mich gerade an ein sehr prägendes Erlebnis, das den Wunsch in mir weckt, mit dem Kopf gegen die Wand zu schlagen: Eine Zugfahrt. Mein Handy. Ich rufe an, um zu sagen, wann ich am Zielort ankommen soll. Ich lege auf. Ein Typ lehnt sich vor mir über seinen Sitz zu mir rüber und sagt: „Hey, sag’ mal, kann ich kurz eine SMS von deinem Handy schreiben? Ich gebe dir auch das Geld dafür. Das wär’ voll nett.“ Oh mein Gott. Eigentlich habe ich so gar keine Lust, ewig auf die RückSMS zu warten, das diesem Kerl zu sagen, ihm die SMS vorzulesen… ein viel zu langer Prozess. Aber ich muss ja nett sein. Ich bin ja ein völlig freundlicher, „offener“ Mensch. „Na gut…“ Ich tippe die SMS, offensichtlich an einen Herrn, der mit ‚Bruder’ angesprochen wird (fragt mich bloß nicht, ob es sich dabei um tatsächliche Verwandtschaft handelt oder um beste-Freunde-Slang), lasse mir – Ewigkeiten andauernd – die Nummer diktieren, zeige alles brav dem Gegenüber vor und schicke die SMS ab. Werde entlohnt. Einige Momente später kommt eine SMS zurück. Ich zeige sie dem Kerl. „Jo, danke.“ Ok. Gut, ich hab’s überstanden. Am Zielort angekommen, schläft er. Ich bin die letzte Person auf Erden, ihn zu wecken.
Stunden später fällt mir auf: VERDAMMT. ‚Bruder’ hat meine Nummer.

Hallo, lieber Gelangweilter! Offensichtlich hat es dich auf meine Seite verschlagen. Aber keine Angst, du wirst es nicht bereuen… in meinem Leben passieren die ganze Zeit die absolut unmöglichsten Dinge, und wenn schon meine ganzen Freunde über mich lachen, kann es ruhig das ganze Internet tun! Das ist ein Aufruf an mich selbst – zu … gelungeneren Flirts? (Wobei hier die eindeutige Betonung auf „gelungen“ fällt, denn was ich bisher hervorgebracht habe, lässt mich als Kleinkind erscheinen und nicht als Femme Fatale.) Ich war bisher immer auf der Suche nach Mr. Right, aber da er bis heute nicht aufgetaucht ist, bewegt sich meine Hoffnung sogar –unter- dem Meeresgrund. Es ist wirklich traurig, jeden Morgen darüber nachzudenken, dass Er einem über den Weg laufen könnte (vor allem, da ich jeden Abend wieder erkenne, dass es an dem Tag wohl nicht der Fall gewesen ist). Ich bin vor Jahren das letzte Mal auf ein Date eingeladen worden, und das von einem Typen, der abschreckend aussah und wohl nichts zu verlieren hatte. Erst vor einigen Monaten lud mich ein Kioskverkäufer höheren Alters auf einen Kaffee ein. Urgh. Fehlt ja noch, dass ich morgen mit einem Rentner ausgehe. Obwohl ich gerade denen am meisten zu gefallen scheine.

 

Also, Maja, jetzt reiß’ schon deinen hübschen Popo vom Sofa! Es soll schließlich geflirtet werden! Ich habe mir so Einiges vorgenommen… die nichtwilden Tage voller Depression über das Nichtauftauchen von Mr. Right sind vorbei! Ein neues Leben soll es geben. Meine Freundinnen werden sich noch wundern, wie ich ihnen die Flirts vor der Nase wegschnappe!

So es ist geschafft, ich habe meine Seite hier zum Laufen bekommen :-)