Mit meinen Unterlagen unterm Arm bin ich losgezogen, zu meinem „persönlichen Gespräch“, also in meinen Augen zu einem Vorstellungsgespräch und meine Nervosität war natürlich mit an Bord. Gut ich kam ein paar Minuten zu früh an, doch das ist ja immer noch besser als zu spät. Nun sitze ich hier, in dieser Empfangshalle, warte dass ich aufgerufen werde. Zielstrebig lege ich mir einige Sätze zurecht. Eigentlich spielt sich das Vorstellungsgespräch bis ins kleinste Detail in meinem Kopf ab, wenn ihr versteht was ich meine. „Frau Stern, kommen Sie bitte!“. Langsam stehe ich auf, ich habe hohe Schuhe an, oh Gott hoffentlich stolpere ich nicht. Nervös zupfe ich an meiner Jacke und folge der etwas, naja sagen wir mal, autoritär aussehenden Dame in Schwarz. „Nehmen Sie doch bitte Platz“, die gute Frau zeigt energisch auf einen Stuhl. Selbstverständlich sage ich ganz vorbildlich danke, aber wenn ich ehrlich bin, erinnert mich diese Frau ein wenig an einen wahren Drachen. Auf jeden Fall ist sie arrogant. Mit ihrem strengen Blick mustert sie mich und meine Kleidung – von oben nach unten und von unten nach oben – ich komme mir vor wie bei einer Fleischbeschauung, aber gut, auch das lasse ich über mich ergehen. Ihre Fragen löchern mich förmlich. Warum haben Sie sich bei uns beworben? (Na warum wohl, wegen dem Geld natürlich – keine Angst, das sind nur meine Gedanken). Nun greift sie auch noch zu meiner Bewerbungsmappe. „Naja, ihr Abschlusszeugnis ist ja nicht gerade das Beste!“ Energisch rückt sie ihre Brille nach oben. Nach minutenlangen Überlegungen fällt mir ein, an wen mich diese Frau erinnert – an Frau Rottenmeier aus dem Trickfilm Heidi. Die Beiden könnten glatt Zwillingsschwestern sein.
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