Ich fürchte, dass ich es jetzt ernsthaft selbst anpacken muss. Die Zeiten des ewig selbst nach Männern suchen ist vorbei; es reicht überhaupt nicht, die Anzeigen nach Mr. Right zu durchforsten. Ich habe ja doch immer etwas zu meckern.
Also habe ich entschlossen, selbst eine aufzugeben! So, basta! Mr. Right wird mich finden müssen. Ich werde die perfekteste Anzeige der Welt aufgeben, und dann wird er mir zu Füßen liegen und mir einen romantischen Liebesbrief schreiben. Bru ha ha. Und dann wird mein Leben absolut perfekt, perfekter, als es jemals ohne Kontaktanzeige geworden wäre.
Was schreibe ich also?
Wie mache ich mich perfekt erkennbar als absolute Traumfrau, ohne meine Individualität zu verlieren? Am Besten ist es, dass ich mit meinen äußerlichen Merkmalen anfange. Aber sollte ich einen schmalzigen „Traumfrau sucht Prinzen“ anfangen? Oder doch lieber „bodenständiger Single hat genug vom Alleinsein“? Und wie zum Teufel soll ich mein ganzes Ich, meine gesamte Person innerhalb weniger Zeilen auf den Präsentierteller legen und es möglichst lecker aussehen lassen? Ich glaube, jetzt muss ich mir wirklich überlegen, wen ich eigentlich suche. „Single sucht gutaussehenden, sehr attraktiven, hoch gewachsenen, möglichst dunkelhaarigen Klugen, der Ahnung hat von Kunst, aber auch für jeden Spaß zu haben ist, regelmäßig Sport treibt, mir romantische Liebesgedichte vorliest, für mich kocht, meine Mutter erträgt, möglichst keinen Hund im Schlepptau hat, und so gut verdient, dass wir regelmäßig zusammen Strandurlaube und Städereisen machen können.“
Ja, vielleicht sollte ich es einfach mit Unverschämtheit versuchen? Ich glaube, das ist ein guter Weg, mich von den anderen Frauen abzugrenzen. Ich hoffe, erfolgreich zu werden!
Frau hat sich überlegt, dass jetzt gehandelt werden muss. Wenn schon kein Mann auf der Straße aufgetrieben werden kann, durch herkömmliches Nett-Lächeln und Gutaussehen, dann muss zu härteren Mitteln gegriffen werden! Diese sind übrigens auch als die letzten Mittel bekannt… also. So habe ich mich auf die alt(un)bewährten, Horror versprechenden Kontaktanzeigen gestürzt.
Ob ich selbst etwas aufgebe, weiß ich noch nicht. Aber ich habe mich erst mal aufs Suchen konzentriert.
Was wird generell angeboten? „Auch ein blindes Huhn… findet mal ein Körnchen.“ Oh, da muss ich gleich Angst haben, einen Blinden an der Backe kleben zu haben. (Nicht, dass das was Schlechtes wäre. Aber wenn ich auch mit normalen Männern schon nicht zurecht komme?) Ah, wunderbar… „Fröstling sucht Wolldecke“. Das klingt ja so, als müsste ich einem bestimmten Kriterium von Frau entsprechen, da ich sonst nicht als Wolldecke qualifiziert bin und dem Fröstling nicht gut genug bin. OH NEIN: das war die „Sie sucht Ihn“ Rubrik. Moment? Was mache ich immer nur falsch? Guck ich mal bei „Er sucht Sie“.
„Er sucht diskrete Affäre“. Klingt ja fabelhaft! Sehr diskret! Oh Gott, als Ehefrau würde ich mich ja gleich drauf stürzen und mich bewerben und da auftauchen und dann… „Hallo mein Schatz! Das war –sehr- diskret von dir.“ Diskretion ist ja wohl etwas Anderes!
„Er, … sucht Partnerin, die mich in ALLES einweiht“. Nein, ich Hobbypsychologin habe da gleich die Phobie, einen aufgeschreckten, eifersüchtigen Hahn zu ergattern, der einem nicht mehr von der Seite weicht und alle drei Sekunden fragt: „Und WARUM?“ Es tut mir nicht gut, so was zu lesen… ich glaube, ich gebe selbst etwas auf.
Ich überlege doch ernsthaft, mir so ein Ding zuzulegen. Ich meine: okay, am Ende wird es wahrscheinlich nichts bringen. Um mein Leben dauerhaft umzustellen, brauche ich einen Life Coach, der 24 Stunden am Tag an meiner Seite lümmelt und motivierend (halb ermahnend) auf mich einredet. Was dann genau geändert werden soll, würde ich mir tausend Mal anders überlegen und ihn dann so was von in Weißglut treiben, dass er ganz wütend freiwillig kündigen würde. Also ist ein Life Coach keine Option. Dann muss ich mich auf meine eigene Disziplin verlassen! Was packe ich also an? Vielleicht mein Sexleben – oder eher, die nicht-Existenz davon? Da meine Flirtversuche ja alle im Sande verlaufen sind und ich die Idee der Friends With Beneftis über Bord geworfen habe, bleibt mir nichts anderes als – „nichts“. Hm, ein Ratgeber in die Richtung wird mir auch nicht helfen. Dann halt etwas anderes. Anleitung zum Unglücklichsein? Soll ja ein sehr laues Buch sein. Angeblich. Wer weiß? Oder soll ich einfach meinen Alltag vereinfachen, damit umstrukturieren, wesentlich glücklicher sein und mein Leben genießen?
HA HA! Als würde ich tatsächlich daran glauben… ok, aber wozu einen Ratgeber überhaupt anrühren, wenn ich so oder so von dessen nicht-Funktionalität überzeugt bin? Ernsthaft Geld dafür verschwenden, nein, wirklich? Wie bitter. Und es wird noch bitterer, denn für meine unglückliche Situation wurde bestimmt noch keiner geschrieben. URGH. Selbst kann ich auch nicht zur Feder greifen, denn ich bin das Opfer, und jenes kann schlecht belehren. Ich hab’s satt. Sehr, sehr satt. Igitt. Satt.