Maja Sterns Flirt-Blog

Mein ganz privater Flirt Blog

Meine erste Party. Und ich ? Mittendrin. Heute ist der Abend meiner Hoffnung, vielleicht habe ich bald den süßen Typen, meinen Vermieter um den Finger gewickelt. Hübsch genug, hab ich mich ja gemacht. Die Party ist in vollem Gange, meine Gäste, einige meiner besten Freunde trinken, tanzen und chillen ein bisschen. Ich bin aufgeregt, bald müsste mein Amour ja klingeln. Was würde ich dafür geben, ihn umarmen zu können, und küssen zu können. Bimelimelim…. Es klingelt, ich mache auf. Da steht er, in seiner vollen Pracht, schön, wie am ersten Tag unserer Begegnung. „ Hallo, schön, dass du es einrichten konntest“. Wir setzen uns an den Tisch und trinken etwas. „ Ich muss dir was gestehen, sagt er…. „Was denn“ ? „Du bist eine hübsche, junge Frau, das imponiert mir. Ich würde dich gerne besser kennenlernen, Kaffee trinken und etwas über dein bisheriges Leben erfahren“. Waaaaaass? Ich glaube, ich höre nicht richtig. Da komme ich in meine neue Wohnung, gebe meine erste Party und meine Träume scheinen sich von einer Sekunde auf die andere zu erfüllen. „ Ähhm, jaa haaa“. Ich stammele. Man bin ich nervös, wie lange ist es her, seitdem mal ein so süßer, schnuckeliger Typ neben mir saß, und mich als etwas Besonders beschreibt. Wenn ich ehrlich bin, ist mir so was noch nie passiert…. Ich habe schon jetzt Schmetterlinge im Bauch… Wie das wohl weiter geht? Ich werde ihm vorschlagen mit mir morgen ins Kino zu gehen. Da kommt man sich ja bekannterweise meist näher. Und wer das nicht schafft, kann sich mit einem Chat im Internet begnügen.

Ich habe neuen Mut gefasst. Nachdem der Versuch mit den Kontaktanzeigen nicht geklappt hat, gibt es ja noch andere Wege, seltsame, komische Männer kennen zu lernen. Ok, es kommt nicht darauf an, wie oft man hinfällt, sondern, wie oft man wieder aufsteht. Ich habe nämlich ein wundervolles Buch voll mit japanischen und chinesischen Zitaten entdeckt, die voller Lebensweisheiten sind. Und Faktum ist: ich bin viel zu alt, um Entsagung zu betreiben! So etwas kann man sich in der Jugend leisten, aber ganz bestimmt nicht im hohen Alter, wenn einem die Zeit eiligst davon galoppiert und man nur noch in den Spiegel guckt und der Vergänglichkeit entgegenblickt. Also. Ich bin hingefallen. Das ist völlig in Ordnung! Es kommt jetzt darauf an, was ich damit mache.

Also habe ich weiter im Internet recherchiert. Ich bin auf eine sehr interessante Seite gestoßen, die „passende“ Blind Dates vermittelt. Und habe mich natürlich prompt angemeldet. Leider ohne Foto. Das heißt, so „passend“ kann mein Blind Date gar nicht werden. Immerhin durfte ich auf meinem Profil selbst einschätzen, ob ich attraktiv bin oder nicht. Gut, dass das zu den Auswahlkriterien der Suchmaschine gehört. Gleich einige Stunden später nach meiner Fertigstellung des Pseudo-ich-weiß-wer-ich-bin-und-was-ich-will – Profils habe ich auch schon den ersten Termin bekommen – morgen gegen Abend in einer belebten, aber hübschen Bar. Beide sollen einen Freund des gleichen Geschlechts mitbringen, praktisch als Garantie dafür, dass keine Drogen gehandelt oder Menschen verkauft werden. Und ich bin schon dabei, mir ein passendes Kleid auszusuchen. Mal gucken, wie ich mich schminken werde. Mal gucken, welche Freundin ich mitbringe. Mal gucken, wie scheiße der Kerl aussehen wird. Ob ich hier die grosse Liebe finden werden bleibt noch abzuwarten

Ich habe mich bei meinem letzten, hübschen Brief zurückgemeldet und mich dafür bedankt, dass es scheinbar doch noch liebreizende Menschen mit Humor auf dieser langsam verkommenden Welt gibt. Das scheint übrigens ein sehr netter Gentleman zu sein! Vielleicht ist er wirklich so alt, wie er schreibt, und sieht auch noch gut aus… dann könnte ich mir wirklich mal überlegen, auf ein Blind Date mit ihm zu gehen. Vielleicht schlägt er auch bald vor, mit mir zu telefonieren? Er hat bestimmt eine sehr angenehme Stimme.

Das einzige Problem an der ganzen Sache ist, dass ich mich eigentlich nicht gleich auf einen Kerl festlegen wollte. Das ist das Schöne an Kontaktanzeigen: man kann mit so vielen Männern jonglieren, wie man will. Noch angenehmer ist, dass sie es wissen und sich dessen voll bewusst sind; sie kämpfen dann vielleicht mehr um mich und wissen gleichzeitig, dass sie nicht Götter sind, sondern auf einer wahren Probe stehen. Es ist nicht selbstverständlich, dass sie Eindruck machen (das ist nämlich das Ego-Ding der meisten Männer, und es nervt unendlich!). Bis jetzt sind nämlich noch ein paar andere Briefe angekommen, die halbwegs nach brauchbaren Männern aussehen, obwohl mir keiner so gut gefällt wie Le Boy. Also, Le Boy = mein Romantiker. Aber nicht, dass sich Le Boy später als totaler Flop outet und irgend ein seltsamer Literaturprofessor ist, der überhaupt keine Ahnung hat von… von was eigentlich? Das Wichtigste ist am Ende doch, dass er sich liebevoll um mich kümmert. Wäsche waschen kann man ihm beibringen.