Jetzt glaube ich doch wieder an das Gute im Mann. Offensichtlich kommt nicht nur das Schlechte zu einem zurück (beispielsweise die Rache des Ex daran, dass man vielleicht nicht ganz so ehrlich zu ihm war), sondern auch das Gute. Oder das jedenfalls, was man bereit war, zu geben.
Ich war vor einiger Zeit bereit, einen Mann anzulächeln. Heute wurde ich angelächelt. Es war genau das schüchterne Szenario, das ich selbst als Täterin erlebt hatte, und heute sollte ich Opfer sein. Wundervoll fühlte es sich an. Ein kleines bisschen angelächelt, angeguckt werden, nicht allzu offensichtlich, aber doch interessiert. Wie eine Göttin habe ich mich gefühlt. Es war nur etwas unangenehm, weil ich mir nicht sicher war, ob das jetzt ein Flirt sein sollte – oder ob ich mir das Ganze nur eingebildet hatte, damit meine Psyche vor Frustration nicht bald flöten geht. Es war aber nicht eingebildet. Am Ende habe ich nämlich einen direkten, nicht zu kurzen Blick ergattern können, gefolgt von einem verschmitzen, leicht schmunzelnden und etwas unsicheren Lächeln. Wundervoll. Ich muss jetzt noch darüber grinsen. Dabei war es gar kein großes Event.
Ich glaube, es sind die kleinen Dinge im Leben, die einem Glück bereiten. Es gibt gar nicht so etwas wie „das perfekte Leben“. Es geht immer drunter und drüber. Wenn es mal eher drunter geht, dann gibt es Männer in Straßenbahnen, die nur ein kleines bisschen Freunde und Interesse zu einem schicken – und schon ist es nicht mehr spät, sondern noch recht früh, nicht mehr beängstigend dunkel, sondern mysteriös… und man hat endlich wieder Vertrauen auf die Zukunft.
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